Grafikkarte zeigt Artefakte oder kein Bild: Ursachen und Reparatur auf Bauteil-Ebene
Kurz & knapp: Artefakte und schwarze Bildschirme gehen fast immer auf eine von vier Baugruppen zurück: den GPU-Chip, die GDDR-Speicherbausteine, die Spannungsversorgung auf der Platine oder die Bildausgänge. Wo der Fehler sitzt, lässt sich am Fehlerbild eingrenzen und auf der Platine messen. Eine Reparatur auf Bauteil-Ebene ist deutlich häufiger möglich, als der Ruf defekter Grafikkarten vermuten lässt.
Keine Zeit für Fehlersuche? Bauteil einschicken, die Werkstatt misst nach
Redaktion: Stefan Fleckenstein, Vierstein · Fachlich geprüft vom Werkstattnetz · Vierstein UG (haftungsbeschränkt) i. G., Springe. Unabhängiger Reparaturservice, genannte Marken gehören ihren jeweiligen Inhabern, keine Autorisierung durch Hersteller. Marktspannen sind Orientierung mit Quelle, kein Angebot.
Artefakte, Streifen, Blackscreen: das Fehlerbild lesen
Artefakte sind Bildfehler, die nicht aus den Daten stammen, sondern in der Hardware entstehen: bunte Punkte, versetzte Blöcke, gezackte Dreiecke, flackernde Linien über dem ganzen Bild. Entscheidend für die Einordnung ist der Zeitpunkt. Fehler, die schon im BIOS-Bild oder im Startlogo des Betriebssystems sichtbar sind, deuten auf einen harten Defekt an Chip oder Speicher hin.
Treten die Artefakte erst unter Last auf, also im Spiel oder beim Rendern, spricht das für Temperatur- und Versorgungsprobleme. Der Speicher arbeitet dann instabil, weil er zu heiß wird oder weil die Spannung unter Strom einbricht. Bleibt der Bildschirm dagegen komplett schwarz und die Lüfter drehen sofort auf Maximum, kommt die Karte meist gar nicht erst durch ihre eigene Initialisierung.
Ein drittes Muster ist der Ausfall nach einigen Minuten Betrieb. Hier lohnt der Blick auf die Kühlung: ausgehärtete Wärmeleitpaste, zerbröselte Wärmeleitpads über den Speicherbausteinen oder ein mit Staub zugesetzter Kühlkörper führen zu Notabschaltungen und mit der Zeit zu bleibenden Schäden an Lötstellen und Bauteilen.
Symptom, wahrscheinliche Ursache, Selbsthilfe
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Selbsthilfe möglich? |
|---|---|---|
| Bunte Punkte und Blöcke schon im BIOS-Bild | GDDR-Speicherbaustein oder GPU-Die | Nein, Messung und BGA-Arbeit nötig |
| Artefakte nur unter Last, Bild sonst sauber | Speichertemperatur, Wärmeleitpads, VRM-Einbruch | Teilweise, Kühlung und Netzteil prüfen |
| Kein Signal, Lüfter drehen auf Maximum | Fehlende interne Spannung, Initialisierung bricht ab | Nein |
| Rechner startet gar nicht mit der Karte | Kurzschluss auf einer Versorgungsschiene | Nein, Kurzschluss messen lassen |
| Bild nur an einem Anschluss, an anderen nicht | Defekte HDMI- oder DisplayPort-Buchse, Treiberbaustein | Anderen Anschluss und anderes Kabel testen |
| Flackern, Bildaussetzer, Karte verschwindet aus dem System | Kalte Lötstelle, PCIe-Fingerleiste verschmutzt oder korrodiert | Kontakte und Slot prüfen |
Was Sie selbst prüfen können
Vor der Einsendung lohnt eine halbe Stunde systematischer Test. Wichtig ist, jeweils nur eine Sache zu ändern, sonst wissen Sie am Ende nicht, was geholfen hat.
- Rechner ausschalten, Netzstecker ziehen und die Karte im Slot neu setzen. Sitzt die PCIe-Fingerleiste sauber und vollständig im Steckplatz?
- Die zusätzlichen Stromstecker abziehen und fest wieder aufstecken. Prüfen Sie die Kontakte auf Verfärbung, dunkle Stellen oder verformte Pins.
- Anderen Monitor, anderes Kabel und einen anderen Bildausgang der Karte testen. Damit schließen Sie Buchse und Kabel als Ursache aus.
- Wenn möglich einen zweiten PCIe-Slot oder einen anderen Rechner nutzen. Bleibt der Fehler an der Karte, ist das Mainboard entlastet.
- Ein anderes, ausreichend dimensioniertes Netzteil anschließen. Ein alterndes Netzteil erzeugt Bildfehler, die nach einem Grafikkartendefekt aussehen.
- Alle Schritte notieren. Diese Notizen sind für die Diagnose bares Geld wert, weil sie Wege abkürzen.
GPU-Die, GDDR-Speicher oder Spannungswandler
Der GPU-Chip selbst fällt seltener aus, als viele annehmen. Häufiger sind die Lötkugeln unter dem Chip durch Wärmezyklen gerissen oder ein einzelner Speicherbaustein ist defekt. Ein defekter GDDR-Baustein zeigt sich typischerweise durch Artefakte in wiederkehrenden Mustern und lässt sich einzeln tauschen, solange der passende Typ beschaffbar ist.
Die Spannungsversorgung ist die dritte große Gruppe. Auf jeder Karte sitzen mehrere Wandlerstufen mit MOSFETs, Drosseln, Gate-Treibern und einem PWM-Controller. Fällt eine Phase aus, bricht die Spannung unter Last ein, und die Karte wird instabil oder schaltet ab. Ein durchlegierter MOSFET erzeugt dagegen einen Kurzschluss, bei dem der Rechner gar nicht mehr anläuft.
Die vierte Gruppe sind die Bildausgänge. Abgerissene HDMI- oder DisplayPort-Buchsen entstehen durch Zug am Kabel, oft im Zusammenspiel mit einer schweren Karte. Solche Buchsen lassen sich wechseln, ebenso beschädigte Leiterbahnen und Vias in der Umgebung. Wie diese Arbeiten ablaufen, erklärt der Beitrag zu Reflow, Reballing und Chiptausch.
Erst diagnostizieren, dann entscheiden
Eine Aussage über Reparaturkosten ohne Diagnose wäre geraten. Deshalb steht bei uns die Messung am Anfang: Kurzschlusssuche auf den Versorgungsschienen, Prüfung der einzelnen Spannungen, Kontrolle der Wandlerstufen und, wenn nötig, Prüfung von Chip und Speicher unter Last. Erst danach steht fest, ob ein Bauteilwechsel, ein Reballing oder ein Chiptausch nötig ist.
Branchenangaben zufolge beginnen Chip-Level-Reparaturen an Grafikkarten bei etwa 120 bis 150 Euro und liegen typischerweise bei 15 bis 25 Prozent des Neupreises (Quelle: PCB-Werke, Letsfix). Bei uns gilt: Festpreis erst nach Diagnose, Reparatur erst nach Ihrer Freigabe. Eine ausführliche Einordnung finden Sie unter Grafikkarte Reparatur Kosten.
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Zum Online-Kostenvoranschlag →So läuft die Einsendung ab
Sie füllen das Formular aus und beschreiben das Fehlerbild möglichst genau. Anschließend erhalten Sie Versandlabel und Verpackungshinweise per E-Mail und senden die Karte ein. Nach der Diagnose auf Bauteil-Ebene bekommen Sie den schriftlichen Kostenvoranschlag, repariert wird erst nach Ihrer Freigabe. Danach folgen Funktionstest und versicherter Rückversand mit Gewährleistung auf die Reparatur.
Senden Sie die Karte im antistatischen Beutel und gut gepolstert ein, ohne Verpackungschips lose im Karton. Wie Sie richtig verpacken, steht im Beitrag Elektronik richtig einsenden. Alle Details zum Ablauf finden Sie auf der Seite Grafikkarten Reparatur, den Defekt schildern Sie direkt über das Kontaktformular.
Bleibt der Fehler auch mit einer anderen Karte bestehen, liegt er nicht an der Grafikkarte. Dann hilft der Beitrag Mainboard startet nicht beim nächsten Schritt weiter.