Elektronik richtig einsenden: Ausbau, ESD-Schutz und Verpackung
Kurz & knapp: Der häufigste Transportschaden entsteht nicht durch die Post, sondern durch falsche Verpackung: lose Schrauben im Karton, fehlender ESD-Schutz und zu wenig Abstand zur Kartonwand. Mit einem antistatischen Beutel, ausreichend Polsterung und ein paar Fotos vor dem Ausbau kommt Ihre Platine sicher an. Das Versandlabel erhalten Sie nach dem Formular per E-Mail.
Keine Zeit für Fehlersuche? Bauteil einschicken, die Werkstatt misst nach
Redaktion: Stefan Fleckenstein, Vierstein · Fachlich geprüft vom Werkstattnetz · Vierstein UG (haftungsbeschränkt) i. G., Springe. Unabhängiger Reparaturservice, genannte Marken gehören ihren jeweiligen Inhabern, keine Autorisierung durch Hersteller. Marktspannen sind Orientierung mit Quelle, kein Angebot.
Vor dem Ausbau: dokumentieren statt erinnern
Bevor Sie den ersten Stecker lösen, greifen Sie zum Smartphone. Fotografieren Sie den Einbauort aus zwei bis drei Richtungen, dazu jeden Steckverbinder in seiner Position und die Kabelführung. Diese Bilder brauchen Sie beim Wiedereinbau, und sie helfen uns bei der Zuordnung von Anschlüssen.
Markieren Sie mehrfach vorkommende Stecker, etwa mit Klebeband und Nummern. Notieren Sie außerdem Gerätetyp, Teilenummer und, wenn vorhanden, den angezeigten Fehlercode. Bei Fahrzeugen gehören Modell, Baujahr und Motorisierung dazu, bei Notebooks und Mainboards die genaue Modellbezeichnung.
Schrauben sortieren Sie am besten nach Einbauort in beschriftete Tüten. Diese Tüten bleiben bei Ihnen, denn im Versandkarton haben Metallteile nichts zu suchen. Was in der Werkstatt geprüft wird, steht je nach Gerät im Beitrag Mainboard startet nicht.
Sicherheit beim Ausbau
Lithium-Akkus bleiben ebenfalls draußen. Ein beschädigter oder aufgeblähter Akku darf nicht versendet werden, das gilt für E-Bike-Akkus ebenso wie für Notebook-Akkus. Ist der Akku fest verbaut und unbeschädigt, sprechen wir das vorher ab.
Kondensatoren in Zwischenkreisen von Frequenzumrichtern und in großen Netzteilen brauchen besondere Aufmerksamkeit. Sie können auch nach Stunden noch geladen sein, und ihre Ladung reicht für einen ernsten Unfall. Lassen Sie solche Geräte ausreichend lange stehen und öffnen Sie das Gehäuse nicht, wenn Sie sich unsicher sind. Im Zweifel senden Sie lieber das komplette Gerät ein.
Entladen Sie sich vor jedem Kontakt mit der Platine an einem geerdeten Metallteil. Fassen Sie Leiterplatten nur an den Rändern an und vermeiden Sie es, Kontaktflächen und Steckerpins zu berühren. Trockene Heizungsluft und Kunststoffkleidung erhöhen die statische Aufladung deutlich.
Die Verpackung Schritt für Schritt
- Platine oder Gerät in einen antistatischen Beutel legen und diesen verschließen. Nur der ESD-Beutel schützt zuverlässig, gewöhnliche Klarsichtfolie tut es nicht.
- Empfindliche Anschlüsse zusätzlich schützen, etwa Steckerleisten mit Antistatikschaum abdecken. Bei Karten mit PCIe-Fingerleiste die Kontaktseite besonders polstern.
- Das Paket doppelt verpacken: Beutel in einen Innenkarton, Innenkarton mit rundum mindestens fünf Zentimetern Polstermaterial in einen stabilen Außenkarton.
- Hohlräume vollständig füllen, damit nichts wandert. Der Inhalt darf beim Schütteln nicht hörbar rutschen.
- Keine losen Schrauben, keine Metallteile und keine offenen Kleinteile beilegen. Zubehör wie das Netzteil kommt in einen eigenen Beutel.
- Einen Zettel mit Name, Kontaktdaten, Gerätetyp und Fehlerbeschreibung beilegen. Ein Ausdruck Ihrer Formularangaben genügt.
- Versandlabel gut sichtbar aufkleben und alte Aufkleber entfernen oder überkleben.
- Einlieferungsbeleg mit Sendungsnummer aufbewahren, bis die Reparatur abgeschlossen ist.
Was schützt und was nicht
| Material | Geeignet? | Hinweis |
|---|---|---|
| Antistatischer Beutel | Ja | Erste Wahl, Beutel von Neuteilen lassen sich wiederverwenden |
| Antistatikschaum | Ja | Ideal für Steckerleisten und Kontaktflächen |
| Luftpolsterfolie | Nur außen | Polstert gut, lädt sich aber auf, deshalb nie direkt auf der Platine |
| Zeitungspapier | Bedingt | Als Füllmaterial brauchbar, färbt ab und nimmt Feuchtigkeit auf |
| Lose Verpackungschips | Nein | Laden sich stark auf und dringen in Steckverbinder ein |
| Frischhaltefolie oder Gefrierbeutel | Nein | Kein ESD-Schutz, erzeugt beim Abrollen Ladung |
Sonderfälle
Feuchte Geräte werden nicht getrocknet und nicht mehr eingeschaltet, sondern zügig eingesendet. Legen Sie ein Gerät mit Flüssigkeitskontakt nicht luftdicht ein, sondern verwenden Sie einen ESD-Beutel ohne zusätzliche Feuchtigkeitsquelle. Hintergründe stehen im Beitrag zu Notebook-Mainboards nach Flüssigkeitsschaden.
Schwere Bauteile brauchen mehr Karton. Große Kühlkörper, Trafos und Metallgehäuse arbeiten beim Transport gegen die Platine. Wenn ein Kühlkörper nur lose sitzt, nehmen Sie ihn ab und verpacken ihn getrennt. Bei Grafikkarten bleibt der Kühler in der Regel montiert, wie im Beitrag zu Artefakten und fehlendem Bild beschrieben.
Bei Steuergeräten aus dem Fahrzeug gehört der Deckel dran, auch wenn er verschmutzt ist. Reinigen Sie das Gehäuse nur außen und trocken, ohne Hochdruckreiniger und ohne Lösungsmittel. Steckerkontakte bleiben unberührt, denn Kontaktspray und Bürste richten dort mehr Schaden an als Schmutz.
Bei sehr alten Geräten legen Sie nach Möglichkeit vorhandene Unterlagen bei, etwa einen Schaltplan, eine Typenliste oder eine Fehlerbeschreibung des Herstellers. Bei Industrieelektronik und Kleinserien sparen solche Dokumente viel Diagnosezeit, weil sonst zuerst die Schaltung nachvollzogen werden muss.
Blitz und Überspannung, Wasserschaden, Haftpflicht oder Elektronikversicherung: Den einreichfertigen KVA für Elektronik und Steuergeräte erstellen wir online als PDF, ab 25 €, mit Akzeptanz-Garantie. Kein Geräteversand nötig.
Zum Online-Kostenvoranschlag →Nach der Reparatur
Ihr Bauteil kommt versichert und in gleicher Schutzverpackung zurück. Prüfen Sie das Paket bei Annahme auf äußere Schäden und melden Sie Auffälligkeiten sofort. Für den Einbau helfen Ihnen die Fotos, die Sie vor dem Ausbau gemacht haben.
Bauen Sie in umgekehrter Reihenfolge ein, stecken Sie alle Verbinder bis zum Einrasten und schließen Sie erst zuletzt die Stromversorgung wieder an. Ergibt sich danach eine Frage, melden Sie sich über das Kontaktformular. Welche Geräte wir sonst noch auf Bauteil-Ebene bearbeiten, sehen Sie unter anderem auf der Seite KFZ-Steuergerät Reparatur.